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	<title>Erzählungen | KARIN KLUG</title>
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	<description>Texte, Gedanken, Lyrik</description>
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		<title>PLANÄNDERUNGEN</title>
		<link>https://www.klug.or.at/planaenderungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Mar 2022 11:20:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erzählungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>heute war wieder so ein tag an dem alles anders war als geplant schon in der früh beim aufstehen merkt man so was und dann ergibt eins das andere und es wird alles anders man verwirft pläne und entwirft neue da sitz ich dann plötzlich bei mcdonalds was ich sonst nie tu und da ruft diese frau an und sagt dann noch dass es später wird später als geplant noch so eine planänderung das passt zu diesem tag heute und dann fahre ich weiter mit dem auto nicht mit dem rad wie ursprünglich angenommen und obwohl der wetterbericht sonne vorhergesagt hat ziehen immer mehr wolken auf trotzdem bleibt es heiß einzig unveränderliches und dann sitzt du in diesem cafe am bahnhof wo du normalerweise nie sitzt und es stört dich nicht was dich schon wieder wundert aber wenn man müde ist ist man froh wenn man irgendwo in ruhe sitzen kann und einfach schauen und da schaue ich und schaue und es tut richtig gut das sitzen und schauen unerwartet gut die sonne blinzelt auch durch wie bestellt und das gras ist grün und witzige menschen gehen vorbei der mann von dem ich anfangs nicht weiß ob er ein mann ist oder eine frau aber beim vorbeigehen sehe ich dann dass die brüste fehlen und überhaupt ein junger mann in shirt und hose mit langem haar und einer dose in der hand und einem hund an der leine und noch andere menschen ziehen vorbei und ich sitze einfach da und schaue was ich sonst selten tue zumindest kaum mit so einer seelenruhe ich fühle mich einfach unsichtbar also kann ich ruhig hier sitzen und schauen dann sehe ich dich kommen dich und dein kleines kind an der hand bin ganz gerührt und schau genau aber sehe nicht so viel wie ich sehen möchte ich winke und winke aber du siehst mich nicht ich bin ja unsichtbar du gehst vorbei an mir dann endlich siehst du mein winken alles so anders heute du gehst vorbei und gibst dein kind ab dort bei dem auto und kommst zurück zu mir und dann gehst du wieder und ich gehe auch das ist alles nicht gewöhnlich aber es gibt so tage dann sitzt man woanders und redet redet mit anderen menschen wie geplant aber es sind nicht alle menschen wie geplant es sind andere menschen als geplant aber das macht nichts ich bin ja noch immer unsichtbar und jetzt sitze ich halt woanders direkt neben dir und ich spüre deine nähe wie immer das ist gleich wie immer deine nähe fühlt sich immer gleich an gleich gut und wir reden also und trinken und reden und ich spüre deine nähe und andere menschen reden auch manche menschen kenne ich gar nicht die meisten sogar kenne ich nicht aber an tagen wie diesen ist das schon fast normal ich sitze und die anderen sitzen und wir reden bis wir fertig sind solche reden habe ich noch nicht gekannt beim verabschieden plötzlich viel mehr vertrautheit als würde man sich schon lange kennen küsse und umarmungen und händeschütteln und dann ist es vorbei und man geht wieder seiner wege ist fast traurig obwohl wie gesagt wenn man sich nicht so gut kennt trotzdem mag ich abschiede grundsätzlich nicht gern du gehst und ich gehe und so gehen wir dahin und fragen uns was wir so machen und dann setzen wir uns nochmals in das gleiche cafe wie vorhin in dem ich schon alleine gesessen bin so unsichtbar bis du vorbeigekommen bist und ich dir gefolgt bin in das andere lokal wo die anderen menschen waren da sitzen wir also seite an seite und du sagst mir wie hübsch ich heute aussehe das habe ich von dir auch noch nicht gehört was für ein wunderbarer einzigartiger tag wir bestellen getränke und andere leute sitzen auch da bis es zu regnen anfängt trotz wetterbericht der ja sonne vorhergesagt hat und man setzt sich unter die riesigen schirme und sitzt dann da und redet weiter du isst und ich rede keine ahnung was ist auch egal deine nähe tut gut du wolltest neben mir sitzen nicht gegenüber ich habe also meine tasche auf den boden gestellt ganz schmutzig ist sie jetzt also sitzt man weiter da wo man sonst nicht sitzt und auch nicht geplant hatte zu sitzen an diesem tag überhaupt an keinen tag bis du dann gehen musst weil dein zug fährt das ist nicht unerwartet das wusste ich das war geplant wenigstens etwas worauf man sich verlassen kann dein zug und du schon wieder verabschieden das mag ich gar nicht aber ich wusste ja das es so kommen wird drehe mich also um mit hocherhobenen kopf und marschiere weg wie geplant ein bisschen wie im film man könnte einen film drehen es wäre eine moderne humphreybogartundwieheißtsiedochgleichvariante weniger rührselig und dramatisch das dramatische läge mehr zwischen den zeilen spürbar erahnbar aber nicht direkt erkennbar dein lächeln nehm ich mir mit beim umdrehen und dann geht jeder seiner wege wie man so schön sagt der mann bei meinem auto will dann geld von mir weil er mein schmutziges auto geputzt hat in meiner abwesenheit obwohl ich ihn gar nicht darum gebeten habe ein eingriff in meine privatspähre der mann hat mir den schmutz von den scheiben geputzt und jetzt will er auch noch geld von mir eigentlich sollte ich geld von ihm bekommen er hat mir ja schließlich meinen schmutz entfernt ohne mich zu fragen es war schon fast künstlerisch schmutzig mein auto schon fast zum nichtmehrdurchsehen und jetzt ist es nur mehr halbschmutzig und ich muss wieder von vorne anfangen es schmutzig werden zu lassen aber an einem tag wie heute kümmert mich auch das nicht der mann dreht sich um und geht weg andere autos putzen und ich fahre los nachhause wie geplant ein neubeginn war leider nicht in sicht. &#160;</p>
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			</item>
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		<title>Lieber Einbrecher!</title>
		<link>https://www.klug.or.at/lieber-einbrecher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 May 2017 11:41:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erzählungen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Feder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>(Veröffentlicht: Die Feder, 2017) Es tut mir sehr leid für dich, aber du bist umsonst gekommen! Bei mir gibt es nichts zu holen. Ich hoffe nur, du warst vorsichtig genug, mein Türschloss nicht irreparabel zu schädigen. Diese Sachen kosten schließlich viel Geld heutzutage und ich weiß nicht, ob das die Haushaltsversicherung zahlt&#8230; Tja, wie schon erwähnt, alle Mühe war vergebens, bei mir wirst du nichts finden, das für dich von Wert sein könnte. Die teure Anlage mitsamt noch teureren Boxen, die hat mein Exmann nach der Scheidung abgeholt (eigentlich ja schon davor, knapp nachdem er mit seiner neuen Freundin zusammengezogen ist) – die steht jetzt in seinem neuen Haus, die Stereoanlage meine ich, wie war doch gleich noch mal die Adresse&#8230; Den alten Fernseher hab ich mittlerweile selbst schon entsorgt, der hat`s nicht mehr gebracht und irgendwie bin ich noch nicht dazugekommen mir einen neuen zu besorgen, sorry. Auch Schmuck und Pelze gibt´s bei mir nicht, und die paar antiken Schmuckteile aus Tante Mitzi`s Erbe, die hat mein erster Mann vor Jahren schon versoffen, da bist du zu spät gekommen – ich kann dir nur mehr billigen Modeschmuck anbieten und der ist auch nicht gerade der letzte Schrei – vor allem die Kette mit den riesigen roten Plastiksteinen, also falls du die gerne mitnehmen magst, bitte sehr, ich wäre froh, wenn ich sie endlich los bin. Die Tigeraugenohrringe, die könntest du auch gleich einpacken, die erinnern mich doch zur sehr an das Drama mit meinem Ex (die hat er mir nämlich knapp vorher noch geschenkt – hat vermutlich gedacht, dass ich dann leichter über sein Geständnis hinwegkomme, dass er seit ein paar Jährchen eine Freundin hat – aber: ich will dich nicht langweilen mit meinen Problemen!). Mein Laptop ist schon ein bisschen altersschwach, der wird’s nicht mehr lange machen, wenn du den einpackst, bin ich nicht sicher ob er die Reise überlebt. Das Handy trage ich stets bei mir, damit kann ich also auch nicht dienen. Was ich sparen könnte, frisst der Kredit (und die Aktien, mein Gott, du weißt ja, wie die Kurse fallen) – deshalb: Sparbücher oder so wirst du hier auch nicht finden! Das bisschen Bargeld, das ich besitze, trage ich eher mit mir spazieren als dass ich es unter dem Kopfpolster horte (oder lege es in einer schicken Boutique ab, wie letztens). Nicht mal ein paar wertvolle Malereien kann ich anbieten – selbst eine billige Reproduktion hat den Weg zu mir nach Hause noch nicht gefunden. Die Fotos an den Wänden sind selbstgemacht, aber wenn du meinst, dass sie von Wert sein könnten, bitte, tu dir keinen Zwang an! Du siehst: dein Weg war umsonst. Da fällt mir ein, im Keller steht noch ein Sack mit Altkleidern herum – der wär zu entsorgen, vielleicht gefällt dir ja das eine oder andere&#8230; den kannst du gerne mitnehmen. Also: Falls du mir nicht glaubst, du kannst gerne alles durchsuchen, nur bitte hinterlasse keine Unordnung, du hast ja keine Ahnung, wie viel Mühe mich das Aufräumen immer kostet. Und wie gesagt: bitte nichts beschädigen! Du könntest eventuell aber gleich mal ein wenig staubsaugen, wenn du schon da bist (du weißt ja, von wegen Spuren verwischen und so&#8230; man bildet sich schließlich weiter und Krimis gehören zum Pflichtprogramm). Auch das Bad gehört dringend mal wieder geputzt (die Putzmittel findest du im Schrank unter dem Waschbecken). Ach ja, könntest du wohl so nett sein und beim Runtergehen noch den Müll mitnehmen – dann stehst du wenigstens nicht so ganz mit leeren Händen da – was sollen denn sonst deine Kumpels sagen? Mit freundlichen Grüßen, deine Hausbewohnerin</p>
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		<title>Die Gans von Putlitz</title>
		<link>https://www.klug.or.at/die-gans-von-putlitz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Mar 2014 13:38:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erzählungen]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Putzlitzer Preis]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich sitze irgendwo in der Nähe von Putlitz in einem Hotel Restaurant und warte auf mein Essen. Die Sonne scheint sachte und Putlitz liegt in Brandenburg. Ich lese die FAZ. „Country Manager Ukraine gesucht“ und „Der Sänger, der aus dem Nichts kam“. Besonders gefällt mir „Wie war dein Tag, Schatz?“, die Kolumne von G.M. Oswald. Es ist spätnachmittags und der Gastgarten ist leer. In diese Gegend verirren sich selten Menschen, vermute ich. Nur meine Zeitungsblätter rascheln im Wind. So was von nichts. Ist für eine gebürtige Städterin schon irgendwie seltsam. Ungewohnt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht wirklich eine Ahnung habe, wo genau auf diesem Kontinent ich mich gerade tatsächlich befinde. Nach mehreren Autofahrten und Flügen habe ich heute schon ein wenig den Überblick bzw. die Orientierung verloren. Aber ich vertraue selig darauf, dass es hier Menschen gibt, die mich finden (wollen) und auch wieder mitnehmen (wollen). Immerhin bin ich Kandidatin für einen der sieben Finalplätze beim Putlitzer Literaturpreis 2011. Auch wenn international kaum jemand Putlitz kennen wird, ich darf mich ab heute zum illustren Kreis deren zählen, die sich rühmen dürfen in Putlitz nicht nur gewesen zu sein sondern ebenda sogar einen Preis entgegengenommen zu haben. Viva Putlitz! Aber zurück zu den Anfängen: Nachdem ich in Wien aus dem Flieger geklettert bin, bin ich in Wien in den Flieger geklettert – ab nach Berlin. Erstmals in meinem Leben betrete ich Berliner Boden. Wenn auch nur kurz. Ich werde unverzüglich abgeholt und in einem Zweisitzer Cabrio mit 160 auf der Autobahn nach Putlitz gekarrt. Unterwegs nur Autobahn, Wiesen, Felder, Wälder und Windräder. Viele, viele, um nicht zu sagen, sehr viele Windräder. Die Zeit vergeht quasi wie im Flug. Auch wenn wir im Auto sitzen. Wir landen am frühen Vormittag in der Pfarrscheune von Putlitz. Hier treffen sich Menschen, die schreiben und geschrieben haben und die mir heute einen Preis verleihen wollen. Ich schüttle diverse Hände, blicke in zahllose Gesichter, höre viele Namen und merke mir &#8211; nichts. Außer dass ich eben in viele fremde Gesichter geblickt habe. Später dann bringt mich Herr Putlitz aus Putlitz von Putlitz in mein Hotel, das viele Kilometer außerhalb „irgendwo im Gewerbegebiet“ liegt. Und da sitze ich nun gerade eben. Das Hotel ist eine flache Flunder, einstöckig neben einem Plätscherbach entlang gebaut. Die Zimmer sind sauber, hell und freundlich – weiße Möbel, grüner Teppichboden und hellblaue Bettwäsche – nein, tatsächlich das kann ganz gut zusammenpassen! Glanzfotos im Erdgeschoss zeugen von der Beliebtheit und Bedeutung des Hotels – immerhin sind einst schon Andy Borg und Monika Martin hier abgestiegen. Die anderen Herrschaften auf den Bildern kenne ich nicht, aber sie sehen sehr berühmt aus. Ich mache ein Schläfchen im himmelblauen Einzelbett. Der Vorhand bauscht sich vor dem Fenster, draußen plätschert der Bach, das eine Windrad, das ich in der Ferne erkennen kann, dreht sich gemächlich und ohne Stress durch den Nachmittag. Unendlichkeit, hier könntest du deinen Anfang nehmen. Später dann muss ich unter die Dusche, mache mich hübsch und fit für den großen Auftritt. Ich werde pünktlich abgeholt. Auf der Fahrt vom Hotel zurück nach Putlitz &#8211; im Auto ist es stickig und heiß &#8211; rinnt mir der Schweiß schon wieder herunter, Duschcreme ade. Wir sitzen zu viert in einem Winzlingsauto. Knapp vor 18 Uhr trudeln wir ein in Putlitz. Die Preisverleihung kann beginnen. Von allen Seiten strömen einzelne Menschen herbei. Wir wandern gemächlich zur Kirche (!). Eine Journalistin stürzt sich auf mich, macht ungefragt und blitzschnell Fotos aus gefühlten 2 Millimeter Abstand – ich lächle gequält und vermutlich faltenreich blinzelnd in die Sonne. Zu Fanfarenklängen (!) marschieren wir in die Kirche. Ich verstecke mich irgendwo zwischen Unbekannten in einer der mittleren Kirchenbänke. Reden, Erklärungen, Ansprachen, Dankesworte, Musik. Zwei graumelierte Herren bringen Klassik – mittels Gitarre und Querflöte, routiniert und professionell. Dann die Texte. Sieben an der Zahl. Sie werden vorgelesen von hiesigen Schülerinnen. Begonnen wird mit Platz sechs. Doppelt belegt. Zwei gute Texte. Gefallen mir, auch wenn ich einem inhaltlich nicht wirklich zustimmen kann (auch Arno Geiger würde aufjaulen), aber sprachlich gute Texte. Allesamt. Wie soll ich da mithalten können? Immerhin über 500 Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Sieben davon prämiert. Und  meiner darunter. Unglaublich. Ein paar Zwischenworte, wieder ein Text, Musik &#8211; wir arbeiten uns vor. Die Spannung steigt. Ich sehe mich um. Eine Kirche. Klassische Musik. Der Bürgermeister. Im Anzug. Adrett gekleidete Menschen. Kunstinteressiert. Eher konservativ, nicht so sehr flippig, avantgardistisch, hat`s den Anschein. Und da soll mein Text gelesen werden? Und da soll ich dann nach vorne gehen und mich outen? Ich würde lieber zum Mäuschen schrumpfen und mich klammheimlich rücklings aus der Kirche hinausschleichen. Hilfe, ich will nicht. Das ist nichts für mich. Ich will hier nicht im Mittelpunkt stehen, die Aufmerksamkeit aller auf mich ziehen. Nein, nein. Weg hier. Platz drei wird angekündigt. Das ist nicht mein Text. Ich mache mich unsichtbar. Knete die Finger. Überlege wie ich mich wegbeamen könnte. Wie bin ich bloß auf die haarsträubende Idee gekommen, hierher zu fahren!!! Platz zwei &#8211; auch das ist nicht mein Text. Das heißt, es bleibt nur mehr ein einziger Platz übrig für meinen Text, der allererste. Die Ahnung verdichtet sich zur grausamen Gewissheit. Ich werde da raus und den ersten Preis in Empfang nehmen müssen! In der Kirche. Mit diesem Text. Vor diesem ehrwürdigen, mehrheitlich ergrautem Putlitzer Publikum. Da vorne sitzt ein kleines Kind – soll ich die Mutter vorwarnen? Sie, dieser Text ist nichts für kleine Kinder! Keine Chance, meine Bitten und Gebete werden in dieser Kirche nicht erhört. Hochgradig irritiert nehme ich zur Kenntnis, während Autor zwei noch seinen zweitplatzierten Text liest, dass ausgerechnet mein Text zum Besten gekürt wurde. Zum Besten von über 500. Ein paar einleitende Worte, schon fällt mein Name, leicht abgewandelt, dann kommt der Text. Gelesen von einer hübschen Putlitzer Schülerin &#8211; die Ärmste, ich beneide sie nicht. Erkenne meinen Text kaum wieder. Das soll ich geschrieben haben? Haben die etwas geändert an meinem Text? Ich kann mich tatsächlich nicht mehr daran erinnern. Nehme mir vor später nachzulesen, ob das wohl wirklich mein Text ist. Die Schülerin liest gut. Flüssig und klar. Gottseidank hat sie diesen Job übernommen. Mein Herz pocht. Ich kenne den Ausgang der Geschichte – nicht gerade leichte Kost. Provozierend, brutal. Und das in einer Kirche voller Männer im mittleren bis fortgeschrittenen Alter – Halleluja. Amen. Tief durchatmen. Tags darauf zuhause eingetrudelt lege ich mich erst mal auf die Couch und lasse die Seele nachkommen, die sich wohl noch in Putlitz herumtreibt. Immerhin – ich habe dieser Tage die erste Currywurst meines Lebens gegessen. Ich kann mich rühmen, zumindest nicht die erste und einzige Preisträgerin eines Literaturwettbewerbes zu sein, die mit einer Gans (aus Ton) ausgezeichnet wurde – es gab vor mir bereits welche und es wird nach mir welche geben. Immerhin ist die Gans das Wahrzeichen von Putlitz. Und immerhin bin ich noch beim Frühstück gemeinsam mit vielen anderen Autoren im bezaubernden Pfarrgärtchen gegessen mit selbstgemachter Marmelade, Kaffee, grünen Eiern und ich sehe den Menschen zu wie sie ihre Brötchen mit Marmelade bestreichen und darüber mit Käse belegen. Und voilá, Tom Liehr hat mich dann zurückgebracht zum Airport – mit 220 auf der Autobahn.</p>
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