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	<title>Essay, Kolumne | KARIN KLUG</title>
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	<description>Texte, Gedanken, Lyrik</description>
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		<title>Ich sitz das nicht durch …</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Sep 2026 13:14:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay, Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[ADHS]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Neurodivergenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In unserer Gesellschaft ist es üblich ruhig auf einem Sessel zu sitzen. Eh klar. Bloß &#8211; wer hat das erfunden? Denn das war in der Menschheitsgeschichte eindeutig nicht immer so. Es gibt ja eine immense Palette an Phänomenen bei ADHSler*innen. Ein sehr offensichtliches davon ist das nicht-stillsitzen-können. Das überhaupt-nicht-lange-sitzen-können. Das auf-keinen-Fall-auf-einem-Stuhl-und-beiden-Füssen-am-Boden-ruhig-sitzen-können. Was für eine Qual. Wer hat sich das nur ausgedacht? Bevor es nämlich Stühle gab (und die gibt es noch nicht so lange) saßen, lagen oder lümmelten die Menschen am Boden herum, hockten auf Felsen, Baumstämmen oder was sonst so herumlag. Manche nutzten den Schneidersitz, Fersensitz und diverse andere Haltungen. Je nach Bedarf und Bedürfnissen. Man konnte seine Position ja jederzeit ändern, anpassen… in Bewegung bleiben. Erste Stühle tauchten wohl schon im alten Ägypten auf – die waren jedoch ausschließlich den Herrschenden vorbehalten – mehr eine Demonstration von Macht und Autorität. Der einfache Mensch saß weiterhin am Boden. Bis ins Mittelalter waren Stühle eher selten und reiner Luxus. Sie zeugten weiterhin von sozialem Rang und Status. Je höher und üppiger der Stuhl, sprich Thron, desto bedeutsamer der darauf Sitzende. Alle anderen durften ihm zu Füssen liegen (was durchaus die bequemere Haltung gewesen sein könnte). Doch wie so oft… was die Herrscher haben, das wollen früher oder später alle haben. Wer sich hinaufarbeiten konnte, konnte das mit seinen Stühlen bezeugen. Und im Zuge der Industrialisierung wurden Stühle mit einem Mal günstig und in großen Mengen produziert – juhu, jetzt wollten wirklich alle teilhaben an diesem „Luxusgut“. Das Sitzmöbel war im bürgerlichen Haushalt angekommen. Wer behauptet, dass ADHS-Menschen eher mit den früheren Jägern und Sammlern verwandt sind, den Nomaden und Herumziehenden, während die (Be-)Sitzenden zu Sesshaften geworden sind… der*die könnte vielleicht recht haben. Sessel und derartige Sitzgelegenheiten haben sich erst im Zuge der Sesshaftigkeit entwickelt. Ich fühle mich tatsächlich oft noch mehr dem Typ der Jägerin verwandt, das nomadenhafte gefällt mir. In dem Sinn, dass ich über lange Jahre Wohnorte, Jobs, Hobbies, Lebensformen oft und ausgiebig gewechselt habe. Auch wenn mich manchmal Antriebslosigkeit und Erschöpfung in die Knie zwangen. Man muss nicht mit dem Flieger um die Welt reisen um als Nomade zu gelten. Man kann auch in seinem Umfeld, in der näheren Umgebung, in Seelenwelten unterwegs sein, in verschiedensten Lebenswelten. Immer auf der Suche nach Neuem, Entdeckenswertem. Nur nicht stillsitzen. „Obwohl sich das Sitzen auf Stühlen zu einer bevorzugten Haltung entwickelt hat, ist es erst eine Hälfte der Menschheit, die heute auf Stühlen sitzt. Die Differenz zwischen dem allgemeinen Sitzen und dem besonderen Sitzen auf Stühlen liegt darin, dass das formlose Sitzen wie die unterschiedlichen Weisen des Kauerns, Kniens oder Hockens eine selbstgenügsame Haltung ist, die von ihrer inneren Struktur her nicht auf Macht und Ordnung ausgerichtet ist. Auch das meditative Lotussitzens ist eher ein genügsames Lassen als ein besetzendes und unterwerfendes Tun…“ (Hajo Eickhoff 1995 aus: Vom Menschen Handbuch Historische Anthropologie. Chr. Wulf (Hg.), Weinheim 1995 <a href="https://www.hajoeickhoff.de/geschichte-des-sitzens">Geschichte des Sitzens</a>) Tatsache ist: unsere Gesellschaft hat gelernt auf Stühlen zu sitzen. In der Schule fängt es an, zieht sich weiter durch Ausbildungen und Beruf. Unsere Arbeitsplätze sind mehr und mehr zu „Sitzplätzen“ geworden. Im Lokal, im Konzert, beim Meeting, beim Arzt/der Ärztin, im Auto, im Bus, beim Essen, scrollen, netflixen &#8211; überall wird gesessen. Und zwar oft steif und unbequem auf (harten) Stühlen. Brav die Füße am Boden. Zur Not gilt noch das Überschlagen der Beine als akzeptabel. Männer dürfen sich da ein wenig mehr erlauben, sie dürfen breitbeinig sitzen und sich auch mal bewegen. Aber zappeln gilt nicht. Evolutionsgeschichtlich ist Sitzen auf Stühlen eher eine Zwangshaltung, die dem Menschen gar nicht so bekömmlich ist: Zu langes Sitzen ist nämlich keineswegs gesund, sondern zählt vielmehr bereits zu den entscheidendsten Risikofaktoren für einige Krankheiten. Wissenschaft und Forschung zeigen mittlerweile, welche gesundheitlichen Gefahren langfristig vom stundenlangen Sitzen ausgehen. Verkürzte, geschwächte Muskeln, Verspannungen, Rückenschmerzen, Haltungsschäden auf der einen Seite, erhöhtes Risiko für Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw. auf der anderen Seite. Selbst Stoffwechsel, Atmung und Immunsystem sind betroffen. Trotz allem die Tendenz zum Sitzen: steigend. Wir zwingen uns nach wie vor auf Sessel und Stühle und verharren möglichst unbewegt – ein Zeichen guter Sitten und Bräuche??? Gewohnheit? Faulheit? Norm? Kein Wunder, dass ADHS-Kinder und -Jugendliche und -Erwachsene häufig auffallen – sie haben den (vermutlich sehr gesunden) Drang sich zu bewegen und nicht stundenlang still zu sitzen. Sie ändern oft und gerne ihre Sitzposition, bewegen sich zwischendurch, schaukeln, wippen oder bringen ihren Körper anders aus der ungesunden Starre. Die Forschung zeigt, dass bei ADHS kontinuierliche kleine Bewegungen die Aufmerksamkeitssteuerung deutlich stabilisieren können. Körperliche Aktivität verbessert die Exekutivfunktionen &#8211; Bewegung während man kognitive Aufgaben erfüllt kann Leistungsvorteile bringen. Also lernen beim Gehen. Und das gilt sicher nicht nur bei ADHSler*innen. Während ich diesen Text (auf mehrere Etappen) schreibe, bin ich irgendwie dauernd in Bewegung. Mal im Schneidersitz, mal mit einem Bein am Stuhl, mal stehe ich auf – ich wechsle ständig meine Sitzposition. Ganz automatisch. Mittlerweile habe ich mir auch einen Wackelhocker zugelegt, der ebenso oft zum Einsatz kommt. Und manchmal stehe ich mit meinem Laptop beim Küchenbord, das hoch genug ist, um nicht sitzen zu müssen. Alles, nur nicht steif und starr auf Stühlen sitzen &#8211; das sitz ich nämlich nicht durch. Meine Lebenshaltung vielmehr: nur nicht sitzen bleiben! &#160; p.s. Im Netz finde ich auf die Schnelle noch eine Reportage von Lars Graue im ZEITmagazin (August 2025): <a href="https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2025-08/sitzen-gesundheitsrisiko-krankheiten-stehen-alltag">Sitzen als Gesundheitsrisiko: Sitzen ist ungesund. Was passiert, wenn man damit aufhört? &#124; ZEITmagazin</a>  „Martin Oswald ist 73, drahtig, beweglich, agil – und versucht seit 25 Jahren, Sitzen aus seinem Leben zu verbannen. Dafür hat der Arzt sogar ein stuhlfreies Haus gebaut.“</p>
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		<title>Ingeborg, ach Ingeborg</title>
		<link>https://www.klug.or.at/ingeborg-ach-ingeborg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay, Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie viel ist schon über dich und zu dir und von dir und dir zu Ehren erzählt und geschrieben worden. Soll/will ich mich also einreihen in den Strom derer, die dein Feuer weitertragen? Die sich an deinem Feuer wärmen? Heute, ja genau heute, am 25. Juni 2026, hätte die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ihren 100. Geburtstag gefeiert. 100 wird man auch heute noch eher selten. Ingeborg Bachmann ist schon im Oktober 1973 wieder gegangen, mit 47. Also in eher jungen Jahren. Keine 50 ist sie geworden. Sie ist gestorben nach schweren Brandverletzungen, die sie erlitt… eine brennender Zigarette &#8211; eine durchaus häufige Unfallursache. Vermutlich, liebe Ingeborg, bist du letztlich auch gegangen aufgrund deines Leidens am Leben? Des Schmerzes über verlorene Lieben. Wegen Missachtung, mangelnder Wertschätzung, Missbrauch deiner Person? Vielleicht war es auch Einsamkeit? 100 Jahre also. Und gefühlt das ganze heurige Jahr ist „die Bachmann“ in aller Munde. In allen Medien präsent. Man kennt sie, die „Bachmann“. Jeder und jede kennt sie. Auch wenn nicht jede und jeder je einen Text von ihr gelesen hat. Das wird sich jetzt ändern. Da werden Sendungen produziert, Workshops abgehalten, Texte geschrieben, Filme gedreht. Es gibt Buchneuerscheinungen ohne Ende, alle Bücher von ihr und über sie werden auf den Verkaufstisch gehievt, im Schaufenster ausgestellt. Es wird zitiert reihum, richtig oder falsch, Artikel werden verfasst über sie, ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre Süchte, ihr Leiden, ihren Schmerz… ihre Texte werden durch und durch gekaut, interpretiert, mit ihr und ihrem Leben, ihrem Sein verknüpft – ihre Texte, ihre Arbeit, das ist sie. Alles Autobiographie, jedes Wort ein Wort über sich selbst… wie es oft angenommen wird. Wenn die Autorin mit ihrem Werk verschmilzt, keine klare Trennung mehr ersichtlich, ja wünschenswert ist. Was liebe Ingeborg an deinen Texten bist also tatsächlich du? Was ist Phantasie, zusammengereimt, gedacht, gewünscht, gefürchtet? Erfunden. Deiner überbordenden Vorstellungs- und Gedankenwelt entsprungen? Deine Briefe, die veröffentlicht wurden, das bist du. Tagebuchnotizen, Liebesbriefe… wolltest du tatsächlich, dass all das an die Öffentlichkeit gelangt? Und was, liebe Ingeborg, gäbe es jetzt noch zu sagen, was nicht längst schon gesagt ist, gesagt wurde? Deine Texte sprechen für sich. Sie stehen für sich. Sie werden und sollen bleiben. Wirken. Immer wieder neu entdeckt, erkundet werden. Das ist gut so. Will ich mich also einreihen in die Massen derjenigen, die sachkundig über diese Autorin schreiben, sprechen, Auskunft geben? Alle Informationen finden sich problemlos im Internet. Man sieht sofort, wer welche Zitate übernommen hat. Mittels KI kann man sich nun jederzeit problemlos Fotos gestalten lassen, Seite an Seite mit der berühmten Autorin. Ach, Ingeborg. Man muss ihre Bücher und Texte nicht gelesen haben, um daraus zu zitieren. Man kann ganze Buchbesprechungen verfassen, ohne sich mit einem Text auseinandergesetzt zu haben. Ich maße mir nicht an, hier und heute wesentliche neue Gedanken zum Leben und Wirken dieser großen Dichterin beitragen zu können. Ich bin keine Bachmannexpertin. Das überlasse ich anderen. Ich möchte lediglich auch auf sie verweisen. Lest ihre Texte! Ich habe im Laufe der Jahre das eine oder andere von ihr gelesen. Nicht immer hat mir alles gefallen. Manches schien mir schwer verdaulich. Aber ich schätze sie als Schriftstellerin. Knöpfe mir dann und wann Texte, Gedichte von ihr vor. Ich bin froh, dass sie als Autorin in dieser Welt, die immer noch so männerdominiert ist, gehört wird. Sich ihren Platz erobert hat. Viva la Ingeborg. Ihr verdanken wir den Bachmannpreis. Der heuer zum 50sten Mal in Klagenfurt über die Bühne geht &#8211; der Geburtsstadt der Autorin. In der Autor:innenSolidarität (Ausgabe 1/26) lese ich, dass immerhin ein Mann, der Journalist und Autor Humbert Fink, allen Widerständen zum Trotz diesen Preis mit ihrem Namen, dem Namen einer Frau, einer Dichterin ins Leben gerufen hat. Eine Widerständigkeit sondergleichen. In den 70er Jahren. In Kärnten. Ingeborg, du hättest gestaunt. Mitzuerleben, wie sie diskutieren über dich und dein Werk. Wie sie dich vermutlich zerrissen und zeitgleich in den Himmel gelobt haben. Der Preis trägt deinen Namen. Das freut mich. Wenn auch umstritten und dauerkritisiert – der Preis hält das Gespräch in Gang. Erinnert an dich. Und deine Leistung. Es gibt das Lesefest in Klagenfurt. Und zig andere Veranstaltungen rund um die offiziellen Lesungen. Vom ORF übertragen. Das ist schon wichtig. Das bringt Reichweite. Die Literatur lebe hoch. Zumindest jetzt im Juni 2026. Ingeborg, dazu hast du viel beigetragen. Ob du das wohl ahntest zu deiner Zeit? Du hast diese Welt ein Stück weit mitverändert. Du hast den Frauen eine Stimme gegeben. Mut. Kraft. Widerstand. Du hast um deinen Platz gekämpft in der Welt der Literatur. Du bist heute eine der (noch immer viel zu wenigen) Schriftstellerinnen, deren Worte und Werk man kennt. Kennen sollte. Kennenlernen wird. Das ist verdammt viel wert. &#160; ***** Veröffentlicht: Literatur outdoors von Walter Pobaschnig, Wien <a href="https://literaturoutdoors.com/2026/08/14/du-hast-um-deinen-platz-gekampft-in-der-welt-der-literatur-_-100-geburtstag-ingeborg-bachmann-_-karin-klug-autorin-_-graz-14-8-2026/">„Du hast um deinen Platz gekämpft in der Welt der Literatur“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Karin Klug Autorin _ Graz 14.8.2026 &#124; Literatur outdoors – Worte sind Wege</a>)</p>
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		<title>Wann ist eine Arbeit etwas wert?</title>
		<link>https://www.klug.or.at/wann-ist-eine-arbeit-etwas-wert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 09:26:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay, Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdenken über Care Arbeit und mental load. Die unsichtbaren Arbeiten. Die ebenso überhandnehmen und in die Erschöpfung treiben können. Das unsichtbare Denken und Planen und Organisieren und Anpacken im Hintergrund. Das keiner sieht – mindestens genauso viel Anstrengung und Arbeit wie das offizielle und (mehr oder weniger gut) bezahlte und sichtbare „Leistung erbringen“. Wie viel Zeit meines Lebens habe ich in diese unbezahlte Arbeit gesteckt? Planen und checken. Organisieren. Helfen. Sich Kümmern. Ja, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich schlicht einen Auftrag erhalte und ausführe („bitte Brot und Tomaten einkaufen“). Oder ob ich den gesamten Auftrag erst planen, in eine Gesamtkonzept einfügen muss. Zeitlich, logistisch, organisatorisch, kräftemäßig. Beispiel: Kochen ist nicht das gleiche wie nachdenken darüber, was es wann zum Essen geben soll. Was man dazu braucht. Jeden Tag. Was eingekauft, vorbereitet werden muss. Für wie viele Personen. Das Wegräumen, Saubermachen danach. Kochen ist so viel mehr als nur in Töpfen rühren und Zutaten zusammenmixen. Mehr als ein gedeckter Tisch. Ein ganzer Haushalt, ein ganzes Leben sind mehr als nur die sichtbaren Handgriffe. Ergebnisse. Ungesehen: Die Anstrengung, die Arbeit, die im Hintergrund geleistet wird. Wie im Tanz. Was man sieht ist diese unglaubliche Leichtigkeit, das Schweben, der Auftritt. Jetzt. Glanz und Glamour. Was man nicht sieht, ist die unfassbare Arbeit, die Mühen, die Schwielen, der Schweiß, die dahinter liegen. Die täglichen Proben, Übungen, das ganze Arbeitspensum. Das Einstudieren der Abläufe, der Choreographie. Im (familiären) Alltag ist diese gewaltige Arbeit hinter den Kulissen meist unsichtbar. Unbezahlt. Ungewürdigt. Deshalb ärgere ich mich oft über Aussagen zum Thema „wir müssen mehr Leistung erbringen“. Nein, wir müssen vielmehr lernen, diese enorme Arbeit hinter den Kulissen wahrzunehmen. Zu würdigen, zu schätzen, anzuerkennen. Zu bezahlen. Angemessen zu bezahlen. Viele Menschen erbringen unglaubliche Leistungen. In der Pflege, der Alten-, Kranken- und Kinderbetreuung. In der Landwirtschaft, beim Müll einsammeln, in der Reinigung. Viele Arbeiten, die kaum gesehen, kaum geschätzt werden. Wenn überhaupt, nur mickrigst bezahlt. Arbeiten, die keiner sieht, keiner wahrnimmt. Die (uns) offenbar nichts wert sind!?! Jede Putzfrau (heute „Reinigungsdame“), jede Alleinerzieherin leistet meines Erachtens mehr als irgendein ein hochgehandelter Star-Ballkicker oder Immobilienmakler, der Millionen kassiert (für &#8211; ich klaue das Zitat: „was war meine Leistung???“). Wahrgenommen werden meist die, die für was-auch-immer reichlich Geld erhalten. Die damit im Rampenlicht stehen. Das ist das eigentliche Ärgernis. Die dahinter, diejenigen, die nötige, aber ungeliebte Drecksarbeit erledigen, die Schwerarbeit, die sieht man nicht. Die bezahlt man nicht. Oder kaum. Ich habe mich irgendwann gefragt, warum ich eigentlich so wenig „verdient“ habe. Nicht, weil ich nichts getan hätte in meinem Leben. Sondern weil viele dieser Arbeiten unsichtbar und unbezahlt waren. Ich habe in meinem Tun nie groß unterschieden zwischen Tätigkeiten, die Geld einbringen (oder Ruhm und Anerkennung) und jenen, die das nicht tun (mir aber wichtig bzw. notwendig waren). Kennt man vermutlich, wenn man selbständig ist. Als Autorin heute, was zählt da? Die Zeit des Nachdenkens über ein Thema, mögliche Recherchen, die ersten Notizen, das Niederschreiben, das vielfache überarbeiten. Wenn der Text dann fertig ist, dasteht – unbezahlt. Zu lesen, zu diskutieren. Ich habe meine Zeit, meine Gedanken, mein Herzblut investiert. Ob das nun eine Leistung ist oder nicht. Als Journalistin habe ich mehr oder (meist) weniger tolle Honorare erhalten. Als Lyrikerin – ähm! Kunst und Literatur werden (bis auf jene von Preisträger- und Bestsellerstars) noch selten als Leistung gesehen. Ähnlich der Care-Arbeit. Von mental load ganz zu schweigen. Das Sehen und Schätzen unserer Leistungen ist sehr ungleich verteilt. &#160; Wir haben da noch viel Arbeit vor uns. &#160;</p>
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