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	<title>Gesellschaft | KARIN KLUG</title>
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	<description>Texte, Gedanken, Lyrik</description>
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		<title>Wann ist eine Arbeit etwas wert?</title>
		<link>https://www.klug.or.at/wann-ist-eine-arbeit-etwas-wert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 09:26:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay, Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdenken über Care Arbeit und mental load. Die unsichtbaren Arbeiten. Die ebenso überhandnehmen und in die Erschöpfung treiben können. Das unsichtbare Denken und Planen und Organisieren und Anpacken im Hintergrund. Das keiner sieht – mindestens genauso viel Anstrengung und Arbeit wie das offizielle und (mehr oder weniger gut) bezahlte und sichtbare „Leistung erbringen“. Wie viel Zeit meines Lebens habe ich in diese unbezahlte Arbeit gesteckt? Planen und checken. Organisieren. Helfen. Sich Kümmern. Ja, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich schlicht einen Auftrag erhalte und ausführe („bitte Brot und Tomaten einkaufen“). Oder ob ich den gesamten Auftrag erst planen, in eine Gesamtkonzept einfügen muss. Zeitlich, logistisch, organisatorisch, kräftemäßig. Beispiel: Kochen ist nicht das gleiche wie nachdenken darüber, was es wann zum Essen geben soll. Was man dazu braucht. Jeden Tag. Was eingekauft, vorbereitet werden muss. Für wie viele Personen. Das Wegräumen, Saubermachen danach. Kochen ist so viel mehr als nur in Töpfen rühren und Zutaten zusammenmixen. Mehr als ein gedeckter Tisch. Ein ganzer Haushalt, ein ganzes Leben sind mehr als nur die sichtbaren Handgriffe. Ergebnisse. Ungesehen: Die Anstrengung, die Arbeit, die im Hintergrund geleistet wird. Wie im Tanz. Was man sieht ist diese unglaubliche Leichtigkeit, das Schweben, der Auftritt. Jetzt. Glanz und Glamour. Was man nicht sieht, ist die unfassbare Arbeit, die Mühen, die Schwielen, der Schweiß, die dahinter liegen. Die täglichen Proben, Übungen, das ganze Arbeitspensum. Das Einstudieren der Abläufe, der Choreographie. Im (familiären) Alltag ist diese gewaltige Arbeit hinter den Kulissen meist unsichtbar. Unbezahlt. Ungewürdigt. Deshalb ärgere ich mich oft über Aussagen zum Thema „wir müssen mehr Leistung erbringen“. Nein, wir müssen vielmehr lernen, diese enorme Arbeit hinter den Kulissen wahrzunehmen. Zu würdigen, zu schätzen, anzuerkennen. Zu bezahlen. Angemessen zu bezahlen. Viele Menschen erbringen unglaubliche Leistungen. In der Pflege, der Alten-, Kranken- und Kinderbetreuung. In der Landwirtschaft, beim Müll einsammeln, in der Reinigung. Viele Arbeiten, die kaum gesehen, kaum geschätzt werden. Wenn überhaupt, nur mickrigst bezahlt. Arbeiten, die keiner sieht, keiner wahrnimmt. Die (uns) offenbar nichts wert sind!?! Jede Putzfrau (heute „Reinigungsdame“), jede Alleinerzieherin leistet meines Erachtens mehr als irgendein ein hochgehandelter Star-Ballkicker oder Immobilienmakler, der Millionen kassiert (für &#8211; ich klaue das Zitat: „was war meine Leistung???“). Wahrgenommen werden meist die, die für was-auch-immer reichlich Geld erhalten. Die damit im Rampenlicht stehen. Das ist das eigentliche Ärgernis. Die dahinter, diejenigen, die nötige, aber ungeliebte Drecksarbeit erledigen, die Schwerarbeit, die sieht man nicht. Die bezahlt man nicht. Oder kaum. Ich habe mich irgendwann gefragt, warum ich eigentlich so wenig „verdient“ habe. Nicht, weil ich nichts getan hätte in meinem Leben. Sondern weil viele dieser Arbeiten unsichtbar und unbezahlt waren. Ich habe in meinem Tun nie groß unterschieden zwischen Tätigkeiten, die Geld einbringen (oder Ruhm und Anerkennung) und jenen, die das nicht tun (mir aber wichtig bzw. notwendig waren). Kennt man vermutlich, wenn man selbständig ist. Als Autorin heute, was zählt da? Die Zeit des Nachdenkens über ein Thema, mögliche Recherchen, die ersten Notizen, das Niederschreiben, das vielfache überarbeiten. Wenn der Text dann fertig ist, dasteht – unbezahlt. Zu lesen, zu diskutieren. Ich habe meine Zeit, meine Gedanken, mein Herzblut investiert. Ob das nun eine Leistung ist oder nicht. Als Journalistin habe ich mehr oder (meist) weniger tolle Honorare erhalten. Als Lyrikerin – ähm! Kunst und Literatur werden (bis auf jene von Preisträger- und Bestsellerstars) noch selten als Leistung gesehen. Ähnlich der Care-Arbeit. Von mental load ganz zu schweigen. Das Sehen und Schätzen unserer Leistungen ist sehr ungleich verteilt. &#160; Wir haben da noch viel Arbeit vor uns. &#160;</p>
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		<title>Lobby für die Leisen</title>
		<link>https://www.klug.or.at/lobby-fuer-die-leisen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 09:52:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay, Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[wohlfühlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mir ist die Welt sehr oft zu laut. Zu lärmig. Und: zu sehr in der Hand der Lauten. Wer am lautesten schreit, gewinnt. Kann sich durchsetzen. Die Lautstarken geben oft den Ton an. Werden gehört. Wahrgenommen. In Politik, Wirtschaft, Medien, Stadtplanung. Im Kleinen wie im Großen. Die Lauten bestimmen. Können nicht überstimmt werden. Was aber mit den Leisen? Den vielen Menschen, die sich nicht schreiend durchs Leben bewegen. Die nicht lautstark auf sich aufmerksam machen (können). Die lieber zuhören. Nachdenken. Reflektieren. Und sich ihre Meinung bilden. Nur hört sie keiner. Weil sie leise sprechen. Viele der Leisen leben zurückgezogen, suchen die Stille, die Natur. Sind selten auf Jahrmärkten, Demos und Rummelplätzen zu finden. Es sind meist die Introvertierten. Die Hochsensiblen. Ruhigen. Oft neurodivergente Menschen. Aber auch ohne Zuschreibung, Schubladisierung oder Diagnose: es gibt einfach Menschen, die mit dem Lärm und Trubel, der Marktschreierei dieser Welt nichts anfangen. Die sich manchmal sogar verstört zurückziehen. Nicht jede/r steht gerne im Mittelpunkt, auf der Bühne, im Zentrum des Geschehens. Nicht jede/r mag gerne das Laute rundum ertragen. Und auch wer krank, beeinträchtigt ist, müde, erschöpft, ausgelaugt, braucht die Stille. Das Leise. Die Ruhe. Ich lese und höre oft von Menschen, die sich sehr schwertun mit dem Tempo, der Hektik und eben der Lautstärke, die vielerorts herrschen. Ein Zuviel von allem. Es gibt genug Menschen, die keine riesigen Partys, Versammlungen, vollgestopften Konzertsäle, überfüllten Strände, alkoholgeschwängerte Zeltfestatmosphäre mögen. Die Welt ist groß genug für alle. Für die Lauten und die Leisen. Nur werden die Leisen so oft übertönt, überhört, übersehen, nicht wahrgenommen. Ihre Meinung, ihre Wünsche und Bedürfnisse. Die sie nicht lautstark in die Welt posaunen. Die nicht durch alle Medien gehen. Der Haken: die Leisen stören mit ihrem Leise-sein nicht ihr Umfeld. Wenn Laute aber laut werden, dann kriegen das – ob erwünscht oder nicht – alle mit. Die Lauten übertönen alle anderen. Der Lautstärke der Lauten kann man sich kaum entziehen (s. Silvesterraketen, ausufernde Fußballfeiern, auffrisierte Motorräder oder weithin dröhnende open air-Konzerte). Manche Geschäfte und Lokale haben Musik und Tonwerbung bis zum Anschlag aufgedreht. Für mich immer ein Grund sofort wieder kehrt zu machen. Sofern es irgendwie geht. Aber der Lautstärke der anderen entkommt man eben nicht so einfach. &#160; Unsere Welt ist laut, wird meines Erachtens immer lauter, zu laut. Wir brauchen aber so sehr auch das Leise. Wir brauchen eine Lobby für die Leisen. Möge/n sie gehört werden.</p>
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		<title>Es gibt sie ja doch: Vergessene Frauen</title>
		<link>https://www.klug.or.at/es-gibt-sie-ja-doch-vergessene-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karin Klug]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 11:37:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essay, Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Autor*in]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Künstler*in]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin geboren und aufgewachsen in einer Welt der Männer. Auch wenn ich über viele Jahre abgeschirmt war in Mädchenschule- und Internat – draußen bestimmten Männer das Weltgeschehen, Männer regierten die Welt. Die Welt und die Politik, die Geschäfte und die Wirtschaft, die Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung. Den Entwurf und Bau von Häusern und Wohnungen. Die Geldgeschäfte. Die Vergabe von staatlichen Leistungen. Die Personalauswahl in Ämtern, Schulen, Krankenhäusern. DER Chef war männlich. DIE Sekretärin war weiblich. Wer Karriere machte, bestimmten die Männer. Wer in den Medien erwähnt, ausgezeichnet wurde, war von Männern auserwählt. Sportler, Komponisten, Maler, Architekten. Schriftsteller, Geistliche, Dichter und Denker. Erfinder, Ärzte, Soldaten. Eine Welt voller Männer. In den Schul- und Geschichtsbüchern – Männer. Religion, Philosophie, Medizin – nichts als Männer. Technik und Forschung – Männer. Frauen kamen in dieser Welt, in der ich aufgewachsen bin, nicht vor. Nicht im Draußen, in der Öffentlichkeit. Natürlich, in der Mädchenschule haben die längste Zeit nur Frauen unterrichtet – Nonnen. Der einzige Priester vor Ort – ein Mann. In den Häusern und Gärten, hinter den Wänden und Zäunen, da lebten die Frauen. Kümmerten sich um Mahlzeiten, Gesundheit, Ordnung, die Erziehung der Kinder, um frisch gewaschene Wäsche. Manche Frauen „durften“ arbeiten gehen, andere nicht. Ich erinnere mich an mein Staunen, als ich zum ersten Mal zu einer Ärztin kam. Einer Polizistin begegnete. Professorinnen auf der Uni. Meinungsmacherinnen in den Medien. Ich hatte keine Rollenvorbilder, keine Modelle. Frauen waren kaum präsent in der Öffentlichkeit. Und wenn dann als model-beautys, als Laufstegschönheiten, als Aufputz am Arm alter Männer. In der Werbung duften sie lächelnd das Putztuch schwingen. Oder sich halbnackt auf diversen Plakaten rekeln. Nur langsam tauchten die ersten von ihnen in meiner Welt auf: Anne Frank und Simone de Beauvoir. Kleopatra. Silvia Plath und Luise Rinser. Hannah Arendt. Josephine Baker. Anais Nin. Inge Morath. Pina Bausch. Marie Curie und Frida Kahlo. Eva Peron und Hildegard von Bingen. Mutter Teresa und Maria Callas. Jane Goodall. Die Bachmann. Ganz allmählich wurden Frauen sichtbar. Für mich erkennbar. Tauchten auf aus der Versenkung. Es gab sie ja. Frauen, die außergewöhnliches geleistet hatten. Die sich ihren Platz in Schul- und Geschichtsbüchern erobert, verdient hatten. Oder hätten. Denn: wenn ich als junge Frau im Klassikkonzert saß &#8211; da gab es den Dirigenten. Die Musik verschiedenster Komponisten. Musiker. Dass auch Frauen zu komponieren verstehen, dirigieren, ein Instrument spitzenmäßig spielen können, das musste auch in meinem Denken erst langsam Platz finden. Das ist bis heute noch nicht selbstverständlich in unserer so zivilisierten Welt. Doch es hat sich einiges getan in den vergangenen Jahrzehnten. Frauen nehmen sich langsam ihren Platz. Werden genannt, bekannt. Noch immer zu wenig, noch lange nicht im gleichen Ausmaß wie Männer. Doch es gibt immer mehr großartige Frauen, von denen wir erfahren. Und es gibt immer mehr großartige Frauen, die sich darum kümmern, dass wir von anderen Frauen erfahren. Von ihren Leistungen, ihrem Wirken, ihren Erfindungen, ihrer Kunst, ihrem Engagement. Eine dieser großartigen Frauen, die andere Frauen ins Licht holen, dem Vergessen entreißen, ist Birgit Ebbert. Sie hat im Juni 2023 einen Blog gestartet, auf dem sie Frauen vorstellt, die bislang wenig bis gar nicht bekannt sind. Deren Erfolge, deren Lebenswerk totgeschwiegen wurden. Null Information. Null Erwähnung. Ausgelöscht. Umso großartiger diese Initiative von Birgit Ebbert: den vergessenen Frauen der Geschichte wieder und endlich ihren Platz einräumen. Anerkennung zukommen lassen. Die Auswahl ist, wie die Autorin schreibt, subjektiv, zufällig &#8211; und groß. Birgit Ebbert recherchiert lange, viel und genau &#8211; und sie hat schon einiges erreicht mit ihren „Ausgrabungsarbeiten“. Da tauchen Namen auf wie: Aenne Brauksiepe, Amalie Zepheryne Salm-Kyrburg, Anna Mettbach, Carola Karg, Carola von Braun, Cato Bontjes van Beek, Charlotte Israel, Elisabeth Haines, Elisabeth Schmidt, Elisabeth Selbert, Ellisabeth Schwarzkopf, Else Ury, Erika Mann, Erna Brehm, Eva Niestrath-Berger, Frieda Nadig, Gerda Taro, Germaine Tillion, Gertrud Arndt, Gretel Maraldo, Helene Wessel, Helga Schuchardt… und noch unzählige andere. Es lohnt sich allemal, auf diesem Blog zu stöbern – das ist Geschichtsschreibung mal anders. Was bisher unerwähnt und unbenannt geblieben ist, hier wird von ihnen erzählt: den Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Widerstandskämpferinnen, den Unternehmerinnen, Schriftstellerinnen, Pädagoginnen, Sozialreformerinnen… es gibt sie nämlich doch!!! Ein großes Danke an Birgit Ebbert! <a href="http://www.vergessene-frauen.de">www.vergessene-frauen.de</a></p>
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