Mein minimalistisches Leben
Minimalismus bedeutet für mich: Reduktion, Vereinfachung, sich befreien von Unnötigem, Weglassen von Überflüssigem, das Wesentliche suchen und finden, die Essenz. Minimalismus heißt: Klarheit, Weite, Freiheit.
Vor einigen Jahren bin ich im Internet zufällig über diesen Begriff gestolpert – Minimalismus – und habe mich darin wiedergefunden. Endlich eine Bezeichnung für die Art wie ich lebe, leben möchte.
Endlich auch andere finden, die ähnlich leben, denken, fühlen. Wobei Minimalismus nichtsdestotrotz ein weites Feld ist und viele Definitionen in sich vereint. Und es gibt unzählige Arten und Lebensbereiche, wie und wo sich Minimalismus zeigen kann. Es gibt extremere Formen und es gibt den, wie ich es nenne, weichen Minimalismus, den Weg des schrittweisen, sachten Reduzierens, Vereinfachens, Weglassens.
Nach den ersten paar Umzügen in meinem Leben habe ich schnell erkannt, dass zu viel Besitz lästig sein kann. Da schleppt man alte Zeitungen, Möbel, Schuhe, Kleider, Vasen, unliebsame Geschenke und verstaubte Urlaubssouvenirs durch die Gegend, um sie mal da, mal dort zu verstauen. Siedelaktionen sind mühevoll und umständlich. Und man merkt dabei, wie viel unnützes Zeug man doch ansammelt. Ganz nach dem beliebten Motto: Könnt ich ja vielleicht noch mal brauchen. Das war früher möglicherweise sinnvoll, als es noch nicht so viel Zeug gab. Als man sparen musste und nur 2 oder 3 Paar Schuhe besaß und nicht 50 oder 100. Als man noch lange mit den Dinge auskommen musste, weil es nicht so viel davon gab. Weil es umständlicher, teurer war, sie zu erlangen. Weil manche Dinge noch einen viel höheren Stellenwert hatten. Mittlerweile ist vieles austauschbar, ersetzbar geworden. Billigware. Ohne lange Haltbarkeitsdauer. Wisch und weg. Heute leben wir im Luxus. Und es heißt stets, unsere Wirtschaft muss angekurbelt werden. Wir müssen also Sachen produzieren, auf den Markt bringen, kaufen. Je mehr wir kaufen, desto besser für die Wirtschaft. Dass diese Strategie nicht unbegrenzt funktionieren kann, hat sich offensichtlich noch nicht herumgesprochen.
Ich bin Psychologin, Autorin, ich habe kurze Zeit auch mal in der Werbung gearbeitet. Ich weiß, dass in der Wirtschaft und in der Werbung darum geht, Bedürfnisse zu wecken, zu kreieren, angenehme Gefühle zu erzeugen, die mit einem Produkt gekoppelt werden – Träume zu wecken und diese an Waren zu koppeln. Aber brauchen wir all diese Sachen wirklich???
Ich brauche wenig, das weiß ich. Ich brauche ein Dach über dem Kopf, ja, und ich habe es gerne bequem. Ich mag meine Wohnung und mein Fahrrad. Ich genieße es, mich in mein wohlig warmes Bett zu legen, einen gut gefüllten Kühlschrank aufzumachen. Ich sitze vor meinem PC, das Handy liegt neben mir – alles Dinge, die ich nicht missen möchte. Derzeit in diesem Leben.
Aber ich mag keine mit Möbel und Nippes vollgestopfte Wohnung. Ich brauche nicht fünf Räume, wo ich mich doch in nur einem aufhalten kann. Ich mag keinen Krimskrams, keine Glastürschränke mit ausgestellten Klimbim dahinter. Ich mag freien Raum, klare Linien. Ich liebe meine Bücher. Ich brauche keinen Fernseher, ich habe nicht mal eine Stereoanlage mit Boxen und all der raffinierten Zusatzausstattung. Ein Radio mit CD-Player reicht. Wobei ich meine CD- Sammlung mittlerweile auch schon stark dezimiert habe.
Meine Wege in der Stadt erledige ich größtenteils mit dem Fahrrad. Ich kaufe vermutlich zwei Drittel meiner Lebensmittel am Markt ein – frisch und regional. Ich koche viel selber und werfe kaum etwas weg. Aus Resten Neues zu kreieren find ich kreativ und spannend, jedes Gericht schmeckt dadurch anders.
Freiheit ist mir ein hoher Wert. Ich will nicht meine Seele verkaufen für Geld. Ich arbeite, weil ich es gerne tue, weil es mir Spaß macht. Und nicht, weil ich muss. Ich muss nicht Geld scheffeln, ich brauche wenig. Und ich mag keine Schulden haben, bei niemandem. Ich will frei sein. In der Psychologie hat man herausgefunden, dass das, was im Leben zählt, das, woran man sich an seinem Lebensende erinnern wird, nicht die Dinge sind, die man gekauft und besessen hat – es sind die Erlebnisse, die Unternehmungen, die reisen, was man erlebt hat, das zählt. Das wirkt nach. Davon kann man zehren.