Was vom Tage blieb
Eine Freundin zu Besuch. Kurzbesuch auf der Durchreise. Mit ihrem Mann. Nicht verheiratet. Aber glücklich. Der Tisch gedeckt. Die beiden bringen Tulpen mit vom Markt, leuchtend orange-rot-gelb – ein Frühlingsgruß, der das ganze Zimmer in Farbe taucht. Wir trinken Kaffee, essen frisches Brot und Butter, Käse, Müsli, Gurken, Tomaten, Eier… Plaudern über dies und das, über Beziehungen im Allgemeinen, ihre Beziehung im speziellen, wie sie sich gefunden haben, die zwei, wie sie zueinander gefunden haben, wie sie Hürden und Ängste und Zweifel umschifft, gemeistert haben. Zwei Jahre hat es gebraucht, zwei Jahre des Annäherns, des vertraut Werdens, sich vertraut Machens, zwei Jahre kämpfen und lernen und sich weiterentwickeln. Zum anderen hin entwickeln, verstehen lernen, sich mitteilen lernen – Brücken bauen. Jetzt, jetzt leben sie gemeinsam, sie haben eine stabile, breite Brücke errichtet, sie sind ein Paar – spürbar, sichtbar, hörbar. Ihre Anwesenheit tut gut. Sie strahlen etwas aus, das Hoffnung macht, glauben – ja, es ist möglich, ja, es ist gut, so kann es sein. So kann Beziehung gelebt werden. So kann ein miteinander gelingen. Ich lausche ihren Worten. Sie sind mir zum Modell geworden. Nachdem sie gegangen sind, klingt ihre Vertrautheit nach. Ihre Freundschaft. Ich fühle mich ermutigt, voller Zuversicht. Stark genug auf das zu warten, was gelingen kann. Und – nunmehr – bereit auch daran zu glauben, dass es möglich ist.


