Wenn ein Buch mich einlädt…
Wenn ich in einer Buchhandlung stehe, ein Buch in die Hand nehme, ein mir noch unbekanntes – ich lese die ersten Zeilen, ich blättere durch die Seiten, bleibe wahllos (?) hängen, lese ein paar Sätze, blättere weiter, auch mal kurz zum Ende hin – ohne wirklich wissen zu wollen, wie es endet – und treffe danach die Entscheidung: ja, will ich haben, will ich lesen – oder doch nicht. Nicht jetzt oder gar nicht. Es sind Winzigkeiten, die über „lesen oder nicht lesen“ entscheiden. Dem Prozedere vorausgegangen ist bereits die Entscheidung, nach welchem Buch ich überhaupt greife (so es nicht auf meiner ständig wachsenden Bücher-zu-lesen-Liste steht). Es springt mich an, Titel oder Einband locken mit Motiven, die mich ansprechen/berühren, der Klappentext spricht Themen an, die gerade auch meine sind, die mich beschäftigen. Ein Autor, eine Autorin interessieren mich, ist mir bereits bekannt, erinnert mich an eine Kritik, die ich mal wo gelesen habe. Die Farben, die Formen am Cover springen mich an. Auch wie sich die Seiten anfühlen, welche Schrift und Schriftgröße (ich hasse diese dünnen, flattrigen Blätter vollgefüllt mit der kleinstmöglichen Schrift, die man gerade noch entziffern kann) – ich liebe klare Übersichten, Abstände und Konturen – und selbst die Dicke und die Griffigkeit eines Buches kommen mit ins Kalkül, vom Preis und der Einschätzung meiner momentanen finanziellen Lage mal ganz abgesehen. Und zuletzt hängt es auch von der Gesamtauswahl ab, die gerade zur Verfügung steht, meinem Bedürfnis nach mir Gutes tun in Form von ausreichend Lesestoff bereithalten, meine aktuellen Transportkapazitäten und der Länge meiner aktuellen was-sonst-noch-Einkaufsliste.
Viele winzige, winzige Details, die in Minutenschnelle gecheckt werden – glücklicherweise ohne, dass ich sie mir alle bewusst machen muss. Das System funktioniert, ich trage kaum einmal ein Buch nach Hause, das sich dann als Fehlgriff erweist.
Und daheim dann, diese Lust, das Buch sofort zur Hand zu nehmen, so unberührt, so jungfräulich wie es ist. Ich schmökere die Ränder ab – was steht vorne, über den Autor, den Inhalt, gibt es ein Vorwort, eine Kapitelübersicht, was kommt hinten nach dem Textende. Oft noch eine ganze Menge. Nachworte, Erklärungen, Literaturhinweise, Fußnoten, Zeittafeln, Adressregister und oftmals Hinweise auf andere Bücher (des Autors/der Autorin, des Verlages). Gibt es einen Umschlag, wird auch der gewissenhaft studiert und kurz abgenommen, um zu sehen, zu fühlen, wie sich das nackte Buch präsentiert. Und dann erst, wenn ich alles durchhabe, wenn nur mehr der reine Text übrig ist, dann erst beginne ich – voller Neugier, voller Ehrfurcht – und tauche hinein in die Geschichte, den Text, gehe mit auf die Reisen in Innen- und Außenwelten, auf die mich der/die Autor*in einlädt.