miniaturen & protokolle

winterspaziergang

es schneit, seit tagen, immer wieder. die strassen nur notdürftig geräumt, kaum sind die gehsteige freigemacht kommt die nächste ladung schnee – allen menschlichen bemühungen wie zum trotz – als lachte sich da einer ins fäustchen… die kälte friert die plattgedrückten schneemassen zu eis, menschen rutschen die wege entlang, halten sich fest an stöcken, zäunen, aneinander. ich gleite vorsichtig in meinen neuen winterstiefeln über die gehsteige. dort wo der schnee noch locker ist, geht es sich besser, ich tänzle herum, mal mehr nach rechts, nach links, dort liegt split, dort ist eine eisplatte, sieht verdammt rutschig aus. alles und jeder geht langsamer als gewohnt, rennen kann bei diesen zuständen keiner. man muss sich sehr genau auf seine schritte konzentrieren. nebenbei telefonieren ist gefährlich, achtsamkeit ist gefragt. eine vergessene tugend. gefällt mir, das langsame tempo und die behutsamkeit, die stille, die der schnee auf bäume, häuser und fahrzeuge legt. die fahrräder, da und dort liegengelassen, wo sie der schnee überrascht hat, nur mehr schemenhaft erkennbar, zugedeckt mit einer dicken weißen schicht, unberührt. verlassene gesellen, die erst bei tauwetter oder gar im frühjahr wieder zu neuem leben erwachen und wieder fröhlich und bunt dahinrollen dürfen.

im park märchenlandschaft. der park liegt da wie verzaubert. alles weiß. noch schneeweiß. noch fast unberührt. nur die wege zusammengematscht, gestreut. noch ein paar spuren in die unberührtheit hin, das wars. nicht viele noch unterwegs gewesen seither. überhaupt wenig los in dieser winterlandschaft. ein paar kinder, die tollen und auf ihrem hosenboden, auf einfachen planen oder kleinen rodeln kurze hänge hinunterrutschen und quicken dabei vor freude. erwachsene, die danebenstehen und sich unterhalten, zuschauen, auf die uhr schauen, frösteln.

im winter gehen die uhren anders. und die stille wird mit einem mal hörbar. das gehen wird mühsamer, langsamer, bedächtiger. die körper sind vermummt. die kalte luft strömt in den mund beim sprechen. das taschentuch stets griffbereit. im café dann ein punsch, ein heißer tee, aufwärmen die frierenden finger, herausschälen aus mantel, schal und hauben. stimmengeschwirr, als wären in der wärme die stimmbänder wieder aufgetaut, die gesichtszüge entspannt. die sonne lacht bei den fenstern herein, bringt den schnee zum glitzern. wie das gleich die stimmung hebt – verlässlich. bei allen.