Psychokram

Seelenschmerz auskurieren

Hanna (59) ist verzweifelt: Ihre Katze, die sie vor 14 Jahren als kleinen Findling zu sich genommen und ins Herz geschlossen hat, ist schwer erkrankt und musste eingeschläfert werden. Hanna ist tottraurig, sitzt daheim und will niemanden sehen. Auch Elke (46) hat sich zu Hause verkrochen, erledigt nur das allernötigste, mag nichts unternehmen. Elke hat gerade eine Trennung hinter sich. Ihr Lebenspartner hat sie nach neun Jahren überraschend verlassen, ist mit Sack und Pack ausgezogen. Sowohl Hanna wie Elke durchleben gerade großen Kummer, sie haben einen Verlust erlitten, mit dem sie erst zurechtkommen müssen. Das Leben hat sich schlagartig verändert, nichts ist mehr, wie es war.

Trauerzeit gestatten: Trauer und Seelenschmerz gehören zu unserem Leben, niemand kann ihnen entfliehen. Wenn es uns trifft, ist es nötig, uns auch Zeit zu geben, mit dem Verlust, den Veränderungen fertigzuwerden. Das kann heißen sich eine Auszeit zu nehmen, auf Rückzug zu gehen. Zu warten bis die Seele sich wieder erholt hat. Es ist in Ordnung, mal „auszulassen“, nicht mehr zu können. Sich im Bett zu verkriechen, bis der ärgste Schmerz nachlässt. Trauer braucht Zeit, Liebeskummer braucht Zeit, loslassen und sich neu finden braucht Zeit. Eine Zeit, in der wir nicht funktionieren müssen, eine Ausnahmezeit, in der das Geschirr schmutzig stehenbleiben darf und die Post sich ungelesen stapelt.

Hilfreiche Freunde: Eine wohltuende Hilfe können Freunde sein, die einfach nur da sind. Die trösten, in den Arm nehmen, sich die gleiche Geschichte zum hundertsten Mal anhören und mitfühlend nicken. Die Kaffee kochen oder Kakao und uns nicht übelnehmen, wenn wir jetzt gerade mal nicht so lustig und zuverlässig und unternehmungslustig sind wie sonst. Glücklich, wer in dieser Zeit nicht funktionieren muss, sondern einfach nur in den Arm genommen wird.

Halt im Alltag: Natürlich, auch unser Alltag kann Halt geben in schlimmen Zeiten. Für manchen ist der tägliche Gang ins Büro die nötige Ablenkung von quälenden Gedanken. Das regelmäßige Lauftraining, der wöchentliche Spieleabend können helfen, den Kummer besser zu verarbeiten. Es gibt nicht ein einziges Patentrezept, aber eines ist gewiss: Wenn unsere Seele viel zu verdauen hat, wenn wir Seelenarbeit zu leisten haben, dann sollte dafür Platz sein dürfen.

Wieder Kraft schöpfen: Auch unser Körper kann nicht immer nur funktionieren. Er braucht den Ausgleich, die Erholung, die Entspannung, genau wie unsere Seele. Wenn schwierige Zeiten kommen, tut es gut, ein bisschen Tempo rauszunehmen. Seelenschmerzen sind eine wichtige, unabänderliche menschliche Erfahrung, wir können daran wachsen, reifen. Wenn wir uns die Zeit gönnen, kann ein Selbstheilungsprozess in Gang kommen. Dann kann sich unser erschöpftes Selbst allmählich wieder instand setzen, Hoffnung schöpfen, zu Kräften kommen – und wir werden uns ein Stückchen weiterentwickelt haben.