Alltag im Lockdown

Die Pandemie dauert nun schon bald ein Jahr. Mit allen Lebensveränderungen, Einschränkungen, Zusatzbelastungen, Ängsten, Sorgen und Unverständlichkeiten. Wir Menschen können ganz gut kurzfristige Belastungen wegstecken. Vor allem, wenn absehbar ist, wann es wieder besser wird. Was uns gar nicht guttut und als massive Belastung gilt, sind andauernde Stressfaktoren, deren Ende nicht absehbar ist. Wir hanteln uns momentan durch unseren „nicht-normalen“ Alltag… und ahnen inzwischen, dass es dieses frühere „normal“ wohl in der Form nicht mehr geben wird. Unsere Welt und unsere Gesellschaft ändern sich gerade gravierend.

Das heißt, wir haben im vergangenen Jahr bis heute schon einmal viel Energie dafür aufgewandt, uns mit den neuen Bedingungen anzufreunden bzw. zu arrangieren. Es läuft vielerorts ein zwischenzeitliches Notprogramm… nun aber schon in Dauerschleife. Und das zermürbt. Das ermüdet. Das laugt aus. Und dann noch Winter, wenig Sonne, wenig Licht – wenig Reserven…

Noch dazu fallen viele Kraftquellen weg, bei denen wir üblicherweise auftanken konnten: Sport und Bewegung, der Kontakt mit anderen, Geselligkeit, gemeinsame Unternehmungen, viele unserer Hobbies, das Vereinsleben, das gemütliche Lokalsitzen und natürlich die Urlaube und Reisen.

Umso wichtiger also nun, sehr achtsam mit sich selbst umzugehen, gut für sich zu sorgen, das Beste aus der momentanen Situation zu machen. In schwierigen Zeiten braucht es viel (Selbst-)Fürsorge, viel Ausgleich, Erholung, bewusstes sich ablenken und Gutes tun. Wenn es im Außen gerade wenig Abwechslung gibt, hilft es, den Blick mehr nach innen zu richten, auf die Kleinigkeiten zu achten.

Hier noch ein paar Tipps:

1.) Begrenzen Sie ihren Nachrichtenkonsum! Auch wenn sich die Medien überschlagen mit Infektionszahlen und Horrorszenarien, den weltweiten Gräueln und Grausamkeiten – wir müssen nicht von morgens bis abends am aktuellsten Stand sein, was die Lage im speziellen und im Allgemeinen betrifft. Unser Gehirn braucht Pausen. Unsere Seele möchte auch andere Nahrung zugeführt bekommen. Es ist verführerisch, immer wieder mal schnell in den diversen, leicht verfügbaren Medien herumzuzappen – und dann hängen zu bleiben und sich in Details zu verzetteln. Unser Geist wird müde, trotzdem werden die Stresshormone aktiviert, wenn man sich ständig mit Negativschlagzeilen beschäftigt – das wiederum verstärkt eher negative Gefühle, Angst und Unsicherheit.

2.) Unsere Energie folgt unseren Gedanken. Geben Sie also Negativschleifen im Kopf, Sorgen und Ängsten nicht zu viel Raum. Achten Sie bewusst auf positive Gedanken. Lenken Sie ihren Blick auf die Dinge in ihrem Leben und in der Welt, die gut sind. Seien Sie dankbar für das, was Sie haben. Genießen Sie ihr Essen, das Bett, in das Sie sich abends kuscheln können, freuen sie sich, wenn sie einen Gesprächspartner haben, mit dem Sie sich austauschen können. Dehnen und bewegen Sie ihren Körper, halten Sie ihn gesund. Öffnen Sie ihre Fenster für die ersten Sonnenstrahlen, laufen Sie durch die Natur und staunen Sie, was da gerade alles blüht und wächst. Das Negative, Schlimme gibt es, keine Frage, das lässt sich nicht wegzaubern. Was wir aber aktiv steuern können, ist unseren Blick auch auf das Gute, das Schöne, das Positive zu lenken – und auch davon gibt es immer genug!

3.) Machen Sie bewusst Feierabend/Freizeit. Suchen Sie sich jeden Tag etwas, das ihnen guttut, eine Kleinigkeit, die Sie aber bewusst genießen (die Tasse Tee nach der Arbeit, ein wohliges Bad bei Kerzenlicht, gute Musik, ein schmackhaftes Essen, der Spaziergang um den Block, Gespräche – und sei es nur am Telefon oder per Video – mit lieben Menschen).

4.) Suchen Sie sich neue Hobbies/Interessen. Es ist spannend zu beobachten, wie nun auch Aktivitäten wieder en vogue sind, die teils schon fast vergessen waren: stricken, häkeln, Gitarre spielen, Briefe schreiben, singen, lesen, Puzzles lösen, Sachen reparieren, Karten spielen, basteln, malen, Videos drehen, neue Rezepte ausprobieren, Omas Kuchen nachbacken, Geschichten erzählen oder aufschreiben usw.

5.) Pflegen Sie Ihre Beziehungen! Halten Sie Kontakt zu den Menschen, die ihnen etwas bedeuten und nutzen Sie dafür alle, auch die technischen Möglichkeiten. Wir sind soziale Wesen und brauchen einander. Helfen sie anderen im Umgang mit den technischen Finessen, greifen Sie zum guten alten Telefon. Machen Sie gemeinsame Spaziergänge. Melden Sie sich bei Menschen, die Sie vielleicht aus den Augen verloren haben, zu denen Sie lange keinen Kontakt hatten. Bleiben Sie in Verbindung.